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Verstrickt durch die Vergangenheit: Reinszenierung in Beziehungen

Reinszenierung in Beziehungen

Verstrickt durch die Vergangenheit

Reinszenierung bedeutet das unbewusste Wiederholen vergangener Erfahrungen und Verhaltensmuster in der Gegenwart. Gerade in Partnerschaften (aber auch in Freundschaften, beruflichen Beziehungen etc.) neigen wir dazu, uns unbewusst Partner auszusuchen, die z.B. ähnliche Verhaltensweisen wie unsere Eltern haben. Dadurch werden immer wieder alte Bindungsverletzungen berührt. Diese Wiederholungen sind nicht zufällig, sondern resultieren aus tief verwurzelten, emotionalen Mustern, die meist in der Kindheit entstanden sind.

Du erfährst hier:

Warum wir unbewusst in Beziehungen reinszenieren

Es gibt mehrere Gründe, warum wir dazu neigen, Beziehungsmuster aus der Vergangenheit zu reinszenieren:

Bekanntheit und Komfort

Trotz der negativen Konsequenzen fühlen sich vertraute Muster oft sicherer an als unbekannte Alternativen. Unser Gehirn bevorzugt bekannte Szenarien, selbst wenn sie schädlich sind, weil sie vorhersehbar sind. Mit dem Problem kennen wir uns aus und haben dafür Handlungsmuster erlernt, auch wenn sie leider häufig dysfunktional sind.

Ungelöste Konflikte

wir versuchen unbewusst, ungelöste Konflikte aus unserer Vergangenheit in der Gegenwart zu bearbeiten. Wenn in unserer Kindheit emotionale Bedürfnisse nicht erfüllt wurden, suchen wir in unseren aktuellen Beziehungen nach Möglichkeiten, diese Bedürfnisse zu erfüllen, auch wenn dies durch dysfunktionale Mittel geschieht.

Selbstwertgefühl und Identität

Menschen, die in toxischen Umgebungen aufgewachsen sind, haben oft ein geringes Selbstwertgefühl und eine verzerrte Wahrnehmung davon, was sie verdienen. Ein Teil von Ihnen tief im Inneren glaubt, dass sie nur toxische Beziehungen verdienen oder dass gesunde Beziehungen für sie unerreichbar sind.

Bindungsmuster

Unsere frühkindlichen Bindungserfahrungen prägen, wie wir Beziehungen als Erwachsene eingehen und aufrechterhalten. Wer unsichere oder vermeidende Bindungen erlebt hat, wird in späteren Beziehungen wiederholte Muster dieser frühen Bindungserfahrung reinszenieren.

Beispiele für Reinszenierung in Beziehungen

Um das Ganze etwas zu veranschaulichen, schauen wir einige Beispiele an:

Beispiel: Abwesenheit des Vaters

Wenn ein Kind mit einem emotional oder physisch abwesenden Vater aufwächst, der zum Beispiel sehr viel arbeitet und kaum Zeit für die Familie hat, kann es sich später in Partner verlieben, die ebenfalls oft abwesend sind. Das passiert, weil die Abwesenheit zur vertrauten Norm geworden ist. Das Kind versucht unbewusst, die Ablehnung oder den Schmerz der Abwesenheit durch den neuen Partner zu überwinden, in der Hoffnung, dieses Mal die gewünschte Nähe zu erhalten.

Beispiel: dominante und kontrollierende Mutter

Wenn ein Kind mit einer dominanten und kontrollierenden Mutter aufgewachsen ist, sucht sie möglicherweise unbewusst nach einem Partner, der ähnliche kontrollierende Eigenschaften hat. Die Erwachsene fühlt sich unbewusst in solchen Dynamiken wohler oder versucht, die Kontrolle und Dominanz dieses Mal besser zu handhaben.

Beispiel: konfliktreiche Beziehung der Eltern untereinander

Die Art und Weise, wie die Eltern miteinander umgegangen sind, beeinflusst ebenfalls unsere Beziehungsdynamiken. Wenn die Eltern eine konfliktreiche und respektlose Beziehung hatten, kann das Kind dies als Normalität ansehen und ähnliche Muster in seinen eigenen Beziehungen wiederholen. Diese Reinszenierung ist ein Versuch, die Vergangenheit zu korrigieren, indem man in der Gegenwart die gleichen Konflikte durchlebt und hofft, dieses Mal eine bessere Lösung zu finden.

5 Schritte, die Reinszenierung aufzulösen

Obwohl Reinszenierung auf den ersten Blick destruktiv erscheint, schlummern im Aufdecken der unbewussten Muster große Wachstumschancen. Mit den folgenden 5 Schritten kannst du die Reinszenierung auflösen:

1. Bewusstwerdung

Der erste Schritt zur Veränderung ist das Bewusstwerden der eigenen Muster. Durch Selbstreflexion und gegebenenfalls Unterstützung eines Therapeuten oder Coach kannst du erkennen, welche Beziehungsmuster du immer wieder aufleben lässt.

2. Ursachenforschung

Die Wurzeln dieser Muster, wie etwa ungelöste Konflikte aus der Kindheit zu verstehen, helfen dir, die gegenwärtigen Beziehungsherausforderungen zu entmystifizieren.

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3. Neue Verhaltensweisen erlernen

Sobald du dir der ungesunden Muster bewusst bist, kannst du beginnen, neue, gesündere Verhaltensweisen zu entwickeln. Das erfordert oft Geduld und Übung, da alte Muster sehr tief verwurzelt sein können und neue Verhaltensweisen zunächst mit unsicheren Gefühlen einhergehen.

4. Selbstwertgefühl stärken

Ein starkes Selbstwertgefühl ist der Schlüssel, um sich aus ungesunden Beziehungsmustern zu befreien. Durch Selbstfürsorge,  einem Fokus auf deine positiven Eigenschaften und dem bewussten Setzen von Grenzen kannst du lernen, dich selbst mehr zu schätzen und gesündere Beziehungen zu führen.

5. Vergangenheit loslassen

Ein wichtiger Aspekt der Heilung ist, den Schmerz und Groll der Vergangenheit loszulassen. Dies bedeutet nicht, dass du schädliches Verhalten gutheißt (!), sondern dass du dich von der Last der Vergangenheit befreist und Platz für positive Veränderungen im Hier und Jetzt schaffst.

Beispiele für positive Veränderung nach dem Auflösen der Reinszenierung

Das Aufdecken der Reinszenierung ermöglicht dir bewusster zu agieren und neue, gesunde und heilsame Beziehungserfahrungen zu machen. Das kann zum Beispiel so aussehen:

Lena und ihr kühler Partner

Lena hat bemerkt, dass ihre Partner oft sehr sachlich und emotional abwesend waren, ähnlich wie ihr Vater. Im Coaching arbeitet sie daran, die Gründe für ihre Partnerwahl zu verstehen. Sie lernt, dass sie unbewusst versucht hat, die Aufmerksamkeit und Liebe doch noch zu gewinnen, die sie als Kind so vermisst hat. Durch diesen Erkenntnisprozess achtet sie nun darauf, ob potenzielle Partner emotional erreichbar und unterstützend sind, so wie sie es sich eigentlich in einer Partnerschaft wünscht.

Irene und ihr dominanter Partner

Irene hat festgestellt, dass ihr Partner sehr kritisch und dominant ist, ähnlich wie ihre Mutter. Durch Selbstreflexion erkennt sie, dass sie unbewusst durch Überanpassung versucht hat, die Kritik endlich verstummen zu lassen, die sie schon in ihrer Kindheit erlebt hat. Im Coaching lernt sie, ihre eigenen Grenzen zu setzen und sich selbst mehr zu schätzen und positiv zu sehen. Sie hat jetzt einen Partner gewählt, der sie in ihrer neu gewonnenen Autonomie respektiert und unterstützt.

Maria und die konfliktreiche Beziehung

Maria hat bemerkt, dass ihre Beziehungen meist von heftigen Konflikten und Respektlosigkeit geprägt sind, ähnlich wie die Beziehung ihrer Eltern. Im Coaching erkennt sie, dass sie unbewusst versucht hat, die Konflikte ihrer Eltern in ihren eigenen Beziehungen zu lösen. Nach dieser Erkenntnis beginnt sie, neue Kommunikationsstrategien zu erlernen und nach einem Partner zu suchen, der konstruktiv und respektvoll kommuniziert.

Fazit

Die Reinszenierung ist ein komplexes und oft schmerzhaftes Phänomen, doch es bietet auch dir die Möglichkeit zu tiefgreifender Selbsterkenntnis. Indem du dir deiner Muster bewusst wirst, ihre Ursachen verstehst und daran arbeitest, neue, gesündere Verhaltensweisen zu entwickeln, kannst du dich von der Vergangenheit befreien und neue, schönere Beziehungserfahrungen machen. Dieser Weg ist sicherlich nicht einfach, aber er ist definitiv eine lohnende Reise zu einem liebevolleren Selbst und glücklichen Beziehungen, die auf Respekt, Liebe und gegenseitiger Unterstützung basieren.

Jeder noch so kleine Schritt bring dich ein Stückchen näher zu der erfüllten und gesunden Beziehung, die du verdienst.

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Alles Liebe

Joleen

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Joleen Böhmert

Trennungs- und Beziehungscoach für Frauen

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